Nadja Benaissa: Geständnis im "HIV-Prozess"
Die nächsten Tage herrscht am Darmstädter Gericht die höchste Sicherheitsstufe: Nadja Benaissa (28) ist wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der Medienandrang ist dementsprechend groß.
Wie Bild. de berichtet, ließ die Sängerin gleich zum Prozess-Beginn von ihrem Anwalt eine Erklärung verlesen.
Sie habe 1999 von ihrer Infektion erfahren. Sie dachte allerdings, dass sie niemanden anstecken könne: "Mir wurde gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit, jemanden anzustecken oder dass bei mir die Krankheit ausbricht gegen Null geht. Deswegen habe ich das meinem Bekanntenkreis auch verschwiegen. Ich wollte nicht, dass meine Tochter gebrandmarkt wird. Den Bandmitgliedern habe ich es gesagt, weil ich ihnen vertraute. Ich habe es nie öffentlich gemacht, da ich fürchtete, dass das das Ende der ganzen Band bedeutet hätte", so der Wortlaut der Erklärung.
Die Halbmarokkanerin soll in den Jahren zwischen 2000 und 2004 mehrere Männer bei ungeschütztem Sex mit dem Aids-Virus angesteckt haben. Ein Künstlerbetreuer, mit dem sie 2004 intim war, tritt bei dem Prozess als Nebenkläger auf. Er behauptet: Sie habe ihn wissentlich angesteckt.
"Wir hatten etwa fünf- bis sieben Mal Geschlechtsverkehr, davon etwa dreimal ungeschützt," sagt der Frankfurter vor dem Gericht aus.
Am Februar 2007 habe er von Nadjas Tante erfahren, dass die Sängerin HIV-Positiv sei.
"Ich ging zum Arzt. Nach wenigen Stunden sagte der Arzt, ich solle vorbeikommen. Da wusste ich, dass ich positiv bin," erzählt der 34-Jährige weiter. Und dann zu Nadja gerichtet: "Du hast mir soviel Leid zugetragen," zitiert Bild.de.
Der Sängerin der "No Angeles" drohen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft. Ihre "No Angels"-Kolleginnen Sandy Mölling, Jessica Wahls und Lucy Diakovska werden am 26. August, dem letzten Verhandlungstag, vor Gericht aussagen.
Die Vorgeschichte: Am 11. April 2009 wurde Nadja Benaissa kurz vor einem Solo-Auftritt in dem Frankfurter Club "Nachtleben" verhaftet. Anschließend saß sie zehn Tage in Untersuchungshaft. Das Darmstädter Gericht machte ihre HIV-Erkrankung per Pressemitteilung publik. Die Sängerin selbst schwieg bis zu einem Auftritt in Günther Jauchs TV-Sendung "Stern TV".
Als Teenager war Nadja Benaissa drogenabhängig, mit 16 wurde sie schwanger. Ihre Tochter Leila kam 1999 auf die Welt. Ihre Biographie "Alles wird gut" erscheint im Oktober 2010. Ob tatsächlich "alles gut wird" entscheidet nun das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Darmstadt.
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